Behandlungsplan: Eierstock-, Eileiter- und Bauchfellkrebs


1. Sprechstunde

Informieren Sie sich vor und nach Ihren Besuchen, um Antworten auf alle Ihre Fragen zu erhalten.
 
Zunächst wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Sie fragen was Sie zu ihm oder ihr führt. Er oder sie werden wissen wollen, welche Untersuchungen schon gemacht wurden und ob Sie dazu schriftliche Unterlagen haben, diese können nämlich sehr hilfreich sein. Bitte bringen Sie alle Unterlagen mit, die Sie zu Ihrem Gesundheitszustand haben. Eventuell werden Sie auch zu Ihren Beschwerden befragt. Die Kenntnis über die Beschwerden hilft aber bei der Klärung ob es sich um einen Eierstockkrebs handelt nicht unbedingt weiter.
 
Dann findet ein gynäkologisches Spekulum und Tastuntersuchung über die Scheide (vaginal), den Bauch (abdominal) und teilweise auch den Enddarm (rektal) statt, so wie Sie es schon aus der Frauenarztpraxis kennen. Ergänzt wird diese Untersuchung durch einen vaginalen (und gegebenenfalls abdominalen) Ultraschall und durch eine Bestimmung der Tumormarker (u.a. CA 125, CA 19-9, HE4). Die Tumormarker dienen dabei lediglich als richtungsweisender Befund und werden zur Verlaufskontrolle z.B. nach einer Operation eingesetzt. Als spezifischer Indikator für einen Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) sind sie nicht immer geeignet, da auch z.B. entzündliche Erkrankungen mit einer Erhöhung des Tumormarkers einhergehen können.
 
Ergänzend wir Ihr Arzt oder Ihre Ärztin vielleicht eine Computertomographie (CT) veranlassen. Dieses Verfahren dient der Einschätzung der Tumorausbreitung und ermöglicht eine gute Vorbereitung für die fast immer notwendige Operation. 
 
Die eigentliche Sicherung der Diagnose ist nur durch die Entnahme einer Gewebeprobe möglich. Diese wird bei Verdacht auf ein Ovarialkarzinom im Rahmen einer Operation gewonnen, sollte sich ein Ovarialkarzinom bestätigen, muss in der Regel eine weitere größere Operation erfolgen. Wenn ein Ovarialkarzinom sehr wahrscheinlich ist, kann diese Gewebeprobe auch direkt am Anfang der großen Operation erfolgen, aber auch dann wird die Diagnose durch die Pathologen abgewartet im OP und erst dann mit den weiteren Operationsschritten fortgefahren. Nach Kenntnis aller Untersuchungsbefunde wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin diese Operation mit Ihnen besprechen und planen.

2. Diagnostik

Die wichtigste Untersuchung, wenn vermutet wird, dass es sich um einen Eierstockkrebs handeln könnte ist die Gynäkologische Untersuchung wie Sie sie aus der Praxis kennen, die dann von einem erfahrenden Eierstockkrebsexperten durchgeführt wird. Zusätzlich wird dann aber auch meistens von rektal also den After aus untersucht. Im Anschluss erfolgt eine Ultraschalluntersuchung über die Scheide und über den Bauch. 
 

In der Regel erfolgt als nächstes eine Blutuntersuchung um den Tumormarker für den Eierstockkrebs im Blut zu bestimmen. Das Ergebnis kann helfen die Diagnose zu stellen ist aber nicht immer aussagekräftig.
 
Unter Umständen, aber bei weitem nicht immer ist eine Bildgebung mit einer Computertomografie (CT) notwendig. Bei sehr kleinen unklaren Herden vielleicht auch eine Positions-Emissions-Tomografie (PET-CT), dies ist aber sehr selten nur notwendig.
 
Hierfür erhalten Sie über unser Patientenmanagement einen Termin in der Radiologie der Charité, die Ergebnisse der Untersuchung sind in der Regel nach 5 Tagen für die Ärzte und Ärztinnen unserer Abteilung einsehbar.

Endgültige Sicherheit bringt nur eine feingewebliche Untersuchung. Dafür muss eine Gewebeprobe in einer Operation aus dem Bauch gewonnen werden und den Pathologen geschickt werden. Sie schauen sich das Gewebe unter dem Mikroskop an und können erkennen ob es sich um eine gutartige oder bösartige Wucherung handelt.
 

3. Operation

Die Standardbehandlung des Ovarialkarzinoms ist als erstes nahezu immer eine Operation. Diese sollte innerhalb von 2-3 Wochen nach der Diagnosestellung erfolgen. Ziel der Operation sind die Diagnosesicherung, das Feststellen der Tumorausdehnung und die vollständige Entfernung von (sichtbarem) Tumorgewebe. Sollte dies nicht komplett möglich sein, so wird versucht, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, denn je kleiner der verbleibende Tumorrest ist, desto besser ist die Prognose (das Langzeitüberleben).

Die Operation verfolgt drei Ziele:
  1. Sicherung und Umfang der Diagnose (durch histologische Analyse von Tumorgewebe)
  2. Feststellung der Tumorausbreitung
  3. Maximale Tumorreduktion bzw. -entfernung
 
Die Durchführung der Operation erfolgt über einen längs-gerichteten Bauchschnitt (Längslaparotomie) vom Schambein bis zum Bauchnabel und je nach Ausmaß der Operation sogar bis zum unteren Rand des Brustbeins. Normalerweise dauert eine Operation beim Eierstockkrebs 3-6 Stunden.  Unter anderem aufgrund der Diagnosesicherung mittels einer Gewebeprobe. Diese untersucht der Pathologe direkt (Schnellschnitt) und teilt das Ergebnis dem Operateur telefonisch mit, der daraufhin über das weitere Ausmaß der Operation entscheidet. Die Operation umfasst in der Regel:
 
  • komplette Austastung des Bauchraumes mit gegebenenfalls Entfernung von Teilen des Bauchfelles
  • Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie), der Eileiter und Eierstöcke (Adnexektomie)
  • Entfernung des großen Netzes, eines am Darm hängenden Lymphorgans (Omentektomie) und der vergößerten Lymphknoten (Lymphonodektomie) im kleinen Becken und entlang der großen Gefäße (Hauptschlagader, große untere Hohlvene)
  • gegebenenfalls Blinddarmentfernung (Appendektomie), wenn es sich um einen schleimproduzierenden Tumor handelt
 
Zusätzlich werden, wenn nötig, alle weiteren Bereiche entfernt die vom Tumor betroffen sind. Dabei kann es sein, dass auch Organe oder Organteile entfernt werden müssen. Zum Beispiel die Milz, ein Teil der Leber, ein Teil des Zwerchfells oder häufiger ein Teil des Darmes. Wenn ein Teil des Darmes entfernt werden muss, wird in der Regel der betroffene Teil herausgeschnitten und die gesunden Enden direkt wieder zusammengenäht. Aber manchmal kann es auch notwendig sein einen künstlichen Darmausgang anzulegen, in der Regel dann, wenn der gesunde Darm zu kurz ist um eine direkte Verbindung anzulegen oder andere Nähte erstmal Ruhe vom Stuhlgang brauchen. In diesem Fall kann der künstliche Darmausgang nach einer Heilungsphase wieder zurückverlegt werden.
 
Nach der Operation verbringen Sie zunächst einige Stunden im Aufwachraum, dort werden Sie gefragt ob Sie Schmerzen haben und erhalten dort auch sofort zusätzlich Schmerzmittel, falls nötig. In der Regel wird nämlich schon vor der Operation durch die Narkoseärzte auch ein Peridualkatheter (PDA) gelegt, so wie es auch bei den Geburten üblich ist, der es möglich macht, dass Sie so wenig wie möglich Schmerzen haben werden. Aus dem Aufwachraum werden Sie wahrscheinlich für ein bis zwei Tage auf eine Intensivstation verlegt. Nach meistens 2 Tagen werden sie dann auf einer normalen Krankenstation weiter betreut, bis Sie in der Regel nach 10 Tagen nach Hause entlassen werden können.
 
Während Sie sich von der Operation erholen und mit Hilfe der Physiotherapeuten und der Pflegekräfte auf der Station so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen und sich zum Beispiel Ihren Tee wieder selber holen, werden die Ergebnisse der Operation und der feingeweblichen Untersuchung in einer Tumorkonferenz besprochen. In der Tumorkonferenz treffen sich Experten der Onkologie, Gynäkologie, Radiologie und Strahlentherapie und entscheiden gemeinsam welche weiteren Behandlungsschritte notwendig sind und Ihnen empfohlen werden. 

Nach der Operation - Checkliste Fragen an meinen Arzt:
  • Habe ich ein high-grade oder ein low-grade Karzinom?
  • In welchem Stadium befindet sich meine Erkrankung?
  • Welche weiteren Behandlungen empfehlen Sie mir?
  • Welche Behandlungsmöglichkeiten kommen für mich in Frage und warum?
  • Welche Vor- oder Nachteile haben diese?
  • Wie viel zeit habe ich, eine Entscheidung zu treffen? Empfehlen Sie mir, eine Zweitmeinung einzuholen?
  • Wann ist mein nächster Termin?

4. Genetische Testung

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frau. Etwa jede 10. Frau erkrankt daran im Laufe Ihres Lebens. Der Großteil dieser Erkrankungen tritt sporadisch auf, nur ca. 5 bis maximal 10% der Erkrankungen lassen sich auf einzelne Genveränderungen zurückführen und kommen somit in Familien gehäuft vor. Diese Genveränderungen können auch mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten von Eierstockkrebs einhergehen.

Die Testung für diese Genveränderung (BRCA 1 oder 2 Mutation) kann beim Eierstockkrebs auch für die Therapieplanung entscheidend sein, da es Medikamente gibt, die nur dann eingesetzt werden dürfen, wenn eine Genveränderung vorliegt.
 

Die genetische Testung kann mit einer Blutprobe und auch an einer Tumorprobe erfolgen.
 

Checkliste genetischer Brust- und/oder Eierstockkrebs
Der Verdacht auf eine erbliche Ursache von Brustkrebs kann nicht anhand einer einzelnen Erkrankung erhoben werden, sondern wird unter Berücksichtigung der Familiengeschichte gestellt. Liegt bei Ihnen eines der folgenden Kriterien vor, könnte eine genetische Vorbelastung vorliegen. Bitte sprechen Sie in diesem Fall Ihren Arzt an. Allen Frauen mit Eierstock-, Eileiter- oder Bauchfellkrebs sollte eine genetische Beratung angeboten werden.
 

Familien mit:

  • mind. drei Frauen sind oder waren an Brustkrebs erkrankt, unabhängig vom Alter.

  • mind. zwei Frauen sind oder waren an Brustkrebs erkrankt, davon eine vor dem 51. Lebensjahr.

  • mind. eine Frau ist oder war an Brustkrebs und eine Frau an Eierstockkrebs erkrankt.

  • mind. zwei Frauen sind oder waren an Eierstockkrebs erkrankt.

  • mind. eine Frau ist oder war an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt.

  • mind. eine Frau ist oder war mit 35 Jahren oder jünger an Brustkrebs erkrankt.

  • mind. eine Frau ist oder war an beideseitigem Brustkrebs erkrankt, davon das erste Mal mit 50 Jahren oder jünger.

  • Ein Mann war oder ist an Brustkrebs erkrankt und eine Frau ist an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt, unabhängig des Alters.

  • Eine Frau ist oder war an triple negativen Brustkrebs erkrankt.

  • Eine Frau ist oder war an Eierstockkrebs erkrankt.


Quelle: Familiäre Brust- und Eierstockkrebs Sprechstunde


5. Chemotherapie

Nahezu ausnahmslos erfolgt im Anschluss an die Operation eine Chemotherapie zur Bekämpfung von im Körper verbliebenen bösartigen Zellen (adjuvante Therapie). Darüber hinaus kann die Chemotherapie vor einer geplanten größeren Operation zur Tumorverkleinerung (neoadjuvant) oder bei nicht heilbaren Tumorleiden zur Symptomlinderung (palliativ) eingesetzt werden.
 
Die erste Chemotherapie sollte innerhalb von 4 bis 6 Wochen vom Tag der Operation an erfolgen.
 
Chemotherapeutische Medikamente (Zytostatika) sind in der Lage, Tumorzellen abzutöten oder zumindest in ihrem Wachstum zu hemmen. Sie werden meist intravenös (in die Vene) verabreicht und verteilen sich im ganzen Körper und wirken auch im ganzen Körper. Die Chemotherapeutika (Zytostatika) greifen besonders schnell wachsende oder sich teilende Zellen an. Eine Eigenschaft, die besonders auf Krebszellen zutrifft. Allerdings sind davon auch gesunde Körperzellen betroffen, wodurch sich die begleitenden Nebenwirkungen der Chemotherapie erklären lassen. Glücklicherweise besitzen unsere gesunden Körperzellen, im Gegensatz zu Krebszellen, Reparaturmechanismen, um die durch Zytostatika entstandenen Schäden zu reparieren.
 
Dennoch werden als Nebenwirkung dieser hocheffektiven Therapie alle Ihre Körperhaare ausfallen. Nach Beendigung der Therapie wachsen sie aber sofort wieder nach. Auch wenn die meisten Patienten Dank unterstützender Medikamente fast ohne weitere Nebenwirkungen durch die Therapie kommen, können Übelkeit und Erbrechen und eine Schwächung der Immunabwehr und der Blutgerinnung auftreten. Es kann auch zu einem Kribbeln der Fingerspitzen und Handinnenflächen kommen durch die Wirkung auf die feinen Nervenzellen dort, in der Regel bilden sich diese Nebenwirkung, wie auch unschöne Verfärbungen der Fingernägel nach der Therapie wieder zurück. Bleiben Sie zu ihren Nebenwirkungen im Dialog mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und den Pflegekräften. Sie können Ihnen sicher weitere unterstützende Maßnahmen anbieten, bevor es womöglich nötig wird die Therapie zu reduzieren oder abzubrechen.
 
Die Chemotherapie beim Eierstockkrebs besteht aus 2 Medikamenten, nämlich Carboplatin und Paclitaxel. Die Medikamente werden 6x in einem Mindestabstand von jeweils 3 Wochen gegeben. Eine Therapiesitzung dauert ca. 4-6 Stunden und diese nennen die Ärzte eine Chemotherapiegabe, der Zeitraum von 3 Wochen nach der Chemotherapie wird als Zyklus bezeichnet. Insgesamt erfolgt die Chemotherapie also in 6 Zyklen.
 
Vor der Chemotherapie wird Sie Ihr Arzt oder Ihre Ärztin aufklären und sie müssen auch unterschreiben, dass Sie der Behandlung zustimmen. In diesem Gespräch können Sie auch Ihre eigenen Fragen stellen.
 
Vor jeder Medikamentengabe ist eine Blutuntersuchung notwendig, um festzustellen ob Ihre Niere und Immunabwehr fit genug für die Therapie sind. Diese Blutentnahme kann auch in einer Praxis in Ihrer Nähe erfolgen, dann müssen die Ergebnisse der Blutuntersuchung bitte 2 Tage vor dem Chemotherapietermin an die Chemoambulanz gefaxt werden. Vielen Dank dafür. Außerdem benötigen wir die Angabe zu Ihrer Größe und Ihrem aktuellen Gewicht, da die Dosis der Therapie an Ihren Körper angepasst wird.
 
Die Chemotherapie sollte am besten über einen Port verabreicht werden. Ein Port ist eine kleine Metallkammer die auf dem Brustansatz unter der Haut platziert wird und mit dem Blutsystem verbunden wird. Dafür ist ein sehr kleiner Eingriff nötig, der in der Regel in lokaler Betäubung durch die Ärzte in der Radiologie erfolgt.

6. Antikörpertherapie / Erhaltungstherapie​

Ergänzend zu einer Chemotherapie wird bei Eierstockkrebs der auch den oberen Teil des Bauchraumes betrifft der Antikörper Bevacizumab (Avastin) zur Behandlung zusätzlich zur Chemotherapie eingesetzt. Diese Antikörpertherapie bewirkt eine Hemmung des Krebswachstums in dem er die Neubildung von Blutgefäßen unterdrückt. Dadurch wird der Krebs, der sehr viel Blut braucht zum Wachsen, nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. 
 
Diese Therapie wird in der Regel ab dem 2. Chemotherapiezyklus mit der Chemotherapie verabreicht. Nach der Chemotherapie sollte die Antikörpertherapie alle 3 Wochen weitergeführt werden für insgesamt 15 Monate. Die Haare wachsen in dieser Zeit schon wieder nach und auch die anderen möglichen Nebenwirkungen der Chemotherapie lassen schon nach.
 
Erhaltungstherapie:
 
Langsam halten auch die PARP-Inhibitoren Einzug in die Therapie, auch schon bei ersten Auftreten von Eierstockkrebs und sind nicht nur wie schon seit einigen Jahren bei den Rezidiven im Einsatz. PARP-Inhibitoren hemmen die DNA-Reparaturmechanismen von Tumoren.
 
Bestimmt wissen Sie, dass bei der Zellteilung zwei identische Kopien einer Zelle mit jeweils dem kompletten Satz an Genen (DNA) entstehen. Während dieses Verdoppelungsvorgangs können naturgemäß spontan Fehler in der doppelsträngigen DNA entstehen, z.B. in dem Stücke von der Erbinformation eines Einzelstranges abbrechen. Diese Fehler im Kopiervorgang sind auch mit eine der Gründe, warum Krebs überhaupt entstehen kann. Im Normalfall werden diese Fehler durch Gene (zum Beispiel BRCA1/2), die für die Bildung von Reparaturenzymen (wie die Poly-ADP-Ribose-Polymerase (PARP)) verantwortlich sind, behoben. Sind diese Gene aber so verändert, dass sie die Enzyme nicht bilden können, kann der Reparaturvorgang nicht vonstattengehen. Bei gesunden Zellen wäre das fatal, bei Krebszellen dagegen gar nicht so schlecht, da die DNA-Schäden das Tumorwachstum letztendlich zum Erliegen bringen können.
 
Also haben sich Forscher diese Vorgänge im zellulären Mikrokosmos zum Vorbild genommen und Medikamente entwickelt, die die krebseigenen Reparaturmechanismen gezielt hemmen: Die sogenannten PARP-Inhibitoren. Diese Enzymhemmer binden an den Komplex aus DNA und Reparaturenzym des Tumors, so dass u.a. der gesamte Doppelstrang bricht. Was bei normalen Körperzellen möglich ist, geht bei Krebszellen nicht: nämlich Doppelstrangbrüche zu reparieren. Stattdessen versucht der Krebs, Alternativwege zur DNA-Reparation zu finden, um zu überleben. Das führt zusätzlich zur Destabilisierung der DNA, bis die Zelle quasi in den „Selbstmord“ getrieben wird und das Tumorwachstum gänzlich zum Stillstand kommt.
 
Diese relativ neuen PARP-Inhibitoren arbeiten Hand in Hand mit Chemotherapeutika, die gezielt die DNA-Schäden im Tumor hervorrufen. Wenn die behandelnden Ärzte festgestellt haben, dass der Tumor Veränderungen (Mutationen) an spezifischen tumorunterdrückenden Genen aufweist, kann der Inhibitor in Kombination mit einer Chemotherapie oder als Erhaltungstherapie nach den Chemotherapiezyklen angewendet werden. Das ist besonders dann wichtig, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass der Tumor trotz Standardtherapie zurückkehrt, z.B. wenn er spät entdeckt wird. Die Therapie scheint zurzeit bei verschiedenen Krebserkrankungen, wie z.B. Brust, Eileiter, Bauchfell- und insbesondere Eierstockkrebs, tatsächlich auch gut wirksam zu sein. Studien zufolge zeigen PARP-Inhibitoren bei solchen Krebserkrankungen den Zeitraum bis zum Wiederauftreten des Tumors durchschnittlich von einem auf ca. vier Jahre zu verlängern.
 
Nebenwirkungen
 
Leider bleiben auch bei dieser Therapie Nebenwirkungen nicht immer aus. Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen, Verschlechterung der Leber- und Nierenwerte, Blutarmut und einen Mangel an Blutplättchen können mehr oder weniger stark das Wohlbefinden beeinträchtigen. Unter Umständen können die Nebenwirkungen auch so stark ausfallen, dass die Therapie unterbrochen oder verringert werden muss. Sollte eine solche Therapie bei Ihnen durchgeführt werden, wird Ihr behandelnder Arzt aber sicher immer im Dialog mit Ihnen bleiben und für Sie die erfolgversprechendste Option aussuchen. Wenn Sie Fragen hierzu haben, dann zögern Sie nie, diese zu stellen.
 
Kostenübernahme durch die Krankenkasse
 
Noch übernehmen nicht alle Krankenkassen die Kosten für die Behandlung mit PARP Inhibitoren bei dem ersten Auftreten von Eierstockkrebs. Sie können aber Ihren Arzt bitten, einen Antrag auf Kostenübernahme zu stellen, wenn die Behandlung für Sie in Frage kommt. Alternativ kann Ihr Arzt vielleicht eine klinische Studie finden, in der Sie zugleich von der kostenlosen Behandlung mit dem Inhibitor und einer intensiven ärztlichen Begleitung profitieren.

7. Nachsorge​

Nach einer Krebsbehandlung empfehlen wir Ihnen an einer regelmäßigen medizinischen Nachsorge teilzunehmen. Hier werden nicht nur Untersuchungen durchgeführt um ein Wiederauftreten des Krebses frühzeitig zu entdecken, sondern Sie sollen auch in Ihrer Genesung unterstützt und begleitet werden. Die Nachsorge deckt in etwa den Zeitraum ab, in dem man als Patient noch mit den Folgen der Erkrankung und ihrer Behandlung zu tun hat.

Untersuchungsintervalle:
Da das Risiko eine Rezidivs (Wiederauftreten der Erkrankung) beim Eierstockkrebs binnen der ersten 3 Jahre nach der Operation am höchsten ist, werden in dieser zeit enmaschigere Nachsorgeuntersuchungen durchgeführt:
  • bis 3 Jahre nach OP: Nachsorgeuntersuchungen alle 10-12 Wochen
  • ab 3. Jahr nach OP: Nachsorgeuntersuchungen alle 6 Monate
  • ab 5. Jahr nach OP: Nachsorgeuntersuchungen alle 6-12 Monate

Hierbei handelt es sich um allgemeine Empfehlungen, die als Orientierungsgröße dienen. Ihre Ärzte erstellen mit Ihnen einen individuellen Nachsorgeplan entsprechend Ihrer individuellen Situation.
 
Untersuchung:
Die Nachsorgeuntersuchung beim Eierstockkrebs besteht aus einem Gespräch, in dem nach typischen Beschwerden die ein Anzeichen sein könnten für ein Wiederauftreten der Erkrankung gefragt wird, sowie aus einer gynäkologischen Untersuchung mit rektaler Tastuntersuchung und einem gynäkologischen Ultraschall über die Scheide und einem Ultraschall über den Bauch.
Zusätzlich wird auch der Tumormarker Ca125 bestimmt, dessen Verlauf, nicht der einzelne Wert, zusätzlich aussagekräftig sein kann.
 
Ein CT-Untersuchung ist nur notwendig, wenn sich unklare Auffälligkeiten in der Untersuchung gezeigt haben. Im Anschluss an die Untersuchung gibt es auch die Möglichkeit mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über Themen zu sprechen, die Sie beschäftigen oder zu denen Sie Fragen haben. Am besten Sie bereiten sich vor und machen schon vorher ein paar Notizen, worüber Sie sprechen möchten.

Mögliche Themen für Ihr Nachsorge-Gespräch:
  • Ernährung
  • Sexualität
  • Vorsorge
  • Rehabilitation
  • Umgang mit meiner Familie
  • Zusätzliche psychooknologische Unterstützung
  • Kreative Therapien
  • Gesundheitsförderndes Leben
  • Soziale Probleme
  • Genetische Veranlagung